Immer häufiger erleben wir Gegensätze, die – in Form von Menschen – hart miteinander kämpfen, oft eine vollständige Polarisation. In der Politik, bei Meinungen, bezüglich der “Richtigkeit” von Löschungen in Sozialen Netzwerken, im “Kampf gegen Rechts” (oder gegen den Faschismus), in und mit der “Political Correctness”, gegen Klimaveränderung, gegen “alternative Fakten”, gegen Corona. Dazu zählen auch viele “Spiele”: bei jedem Fußballspiel etwa gibt es einen Gewinner und einen Verlierer; da jeder “gewinnen” will, gibt es zwangsläufig immer mehr “Verlierer”.

Diese Aufzählung ließe sich endlos weiterführen. Tatsache ist, daß das, WOGEGEN man kämpft, an Kraft gewinnt – und der, der kämpft, an Kraft verliert, und zwar an das, GEGEN das er/sie kämpft. Schon allein daß wir “der anderen Seite” unsere geballte Aufmerksamkeit zukommen lassen, läßt unsere Energie hinüberfließen. Das ist eines der “Geistigen Gesetze”, und das Nichtwissen darüber wird immer häufiger ausgenutzt, um Menschen gegeneinander aufzubringen – und letztendlich durch Ablenkung zu schwächen und von der Entwicklung ihrer tatsächlichen Potentiale abzubringen.

Drücken Sie einmal gegen eine Wand: die drückt genauso stark zurück! Auf Dauer wird das anstrengend und führt zu nichts (es sei denn “Zerstörung”). Lassen wir die Wand einfach ruhig stehen, dann “kostet” sie uns keine Kraft.

Alles, GEGEN das wir kämpfen, machen wir STÄRKER! Hört sich verrückt an. Ist aber so. Versuchen Sie einmal, einen Gedanken wegzudrücken: Sie werden die ganze Zeit genau diesen Gedanken im Kopf haben, er wird Ihnen Zeit rauben und unruhige Stunden bescheren, vielleicht eine ganze Nacht “kosten” – und Ihnen letztlich die Laune versauen. Bis dahin, daß Sie möglicherweise dann am nächsten Tag anderen die Laune versauen (indem wir ihnen Aufmerksamkeit = Zeit und Energie stehlen).

Tao Te King hat das in seinen Zeilen sehr schön = lösungsbezogen aufgegriffen:

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Vom Gegensatz

Wer da sagt “Schön”
schafft zugleich Unschön.
Wer da sagt “Gut”
schafft zugleich Ungut.
Sein bedingt Nichtsein.
Schwer ergänzt Leicht.
Lang bemißt Kurz.
Hoch erzeugt Niedrig.
Laut bestimmt Leise.
Jetzt folgt Einst.

Darum der Weise:

handelt ohne Tun,
lehrt ohne Worte.
Dinge entstehen und vergehen,
er erzeugt, ohne zu besitzen,
er handelt, ohne zu erwarten,
er vollendet, ohne zu verweilen.

Indem er sein Werk vergißt,
bleibt es unvergessen

Tao Te King